Deutscher Großspitz

Der Spitz im Allgemeinen gilt als der Schelm unter den Hunden – er ist stets froh gelaunt, verspielt und immer wieder bereit, jeden Quatsch mitzumachen oder anzustiften. Trotzdem sind Spitze sehr ruhige Hunde. Sie können stundenlang an einem stillen Plätzchen liegen und man bemerkt sie gar nicht. Solange ihre Menschen in der Nähe sind, ist alles in bester Ordnung.


Großspitze sind sportlich, können lange Strecken laufen, balancieren, klettern und springen…. müssen sie aber nicht. Anders als bei anderen Rassen ist eine sportliche Auslastung nicht nötig und wird auch nicht eingefordert. Mit ausgedehnten Spaziergängen wird ein Großspitz genauso glücklich sein.


Der teilweise schlechte Ruf als Kläffer oder Wadenbeißer ist unsinnig und gilt sicher nicht für normal sozialisierte Hunde. Nur Spitze, die keinen Familienanschluss haben, suchen sich selber eine Beschäftigung – und das muss nicht unbedingt die beste sein.

FCI-Standart Nr.97/05.03.1998/D

Klassifikation FCI Gruppe 5 Spitze und Hunde vom Urtyp. Sektion 4 Europäische Spitze.

Spitze haben eine sehr lange Tradition. Sie zählen zu den ältesten Haushundeformen, gelten bis heute als vielseitig einsetzbar und sind außerdem einfach wunderschön!

Spitze bestechen durch ein schönes Haarkleid, das reichliche Unterwolle abstehend macht. Besonders auffällig ist der sich um den Hals legende, starke mähnenartige Kragen, die buschig behaarte Rute, die kühn über den Rücken getragen wird. Der fuchsähnliche Kopf mit den flinken Augen und den kleinen, eng stehenden Ohren verleihen dem Spitz das ihm eigene charakteristische kecke Aussehen.

Geschichte

Getty Museum, um 375 v. Chr.

Die ersten überlieferten Abbildungen stammen aus der Zeit 400 v. Chr. Der Rassename Spitz etablierte sich jedoch erst im 19 Jahrhundert. Sie sollen vom Torfhund Mitteleuropas und späteren Pfahlbauspitzen abstammen. Seit dem Mittelalter wurde er von Kleinbauern und Kleinbürgern gehalten und galten schon seit je her als besonders clever und gewieft. Sie bewachten Haus, Hof und Weinberg, befreiten Ställe von Nagern, hüteten Tiere, begleiteten Fuhrmänner zu Land und zu Wasser, wurden Modehunde und gerieten wieder in Vergessenheit.

Es gibt sie in unterschiedlichen Größen. Der Großspitz hat eine Schulterhöhe zwischen 42 und 50 cm. Während die kleineren Spitze eher beim einfachen Volk anzutreffen war, wurde der Großspitz nicht zuletzt wegen seiner stattlichen und eleganten Erscheinung eher gutbürgelichen Bevölkerungsschichten gehalten. Sogar im englischen Adel konnte er sich einen Namen machen. Der schwarz gescheckte Großspitz von George IV erlangte Berühmtheit, als er von dem bekannten Maler George Stubbs gemalt wurde.

Thomas Gainsborough, Pommerian Bitch and Puppy, ca. 1777
George Stubbs, 1791

Charakter

Cosima und Mali im Schnee

Großspitze sind als einfache Begleit- und Familienhunde anzutreffen, aber auch als Wachhund auf Höfen, als Rettungshund, als Therapie- und Arbeitshund. Als leidenschaftliche Wächter sind Großspitze ihrem zweibeinigen Rudel und ihrem Revier eng verbunden. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass ein Spitz ausbüxt, um eigenständig die Gegend zu erkunden. Obwohl er nicht weit von seinen Lieben wegläuft, ist der Großspitz ein temperamentvoller Hund, der sich gerne bewegt.

Im Gegensatz zu asiatischen Spitzen jagen die Varianten des Deutschen Spitzes kaum. Mäuse und Ratten sowie weitere Nagetiere passen allerdings schon ins Beuteschema eines Großspitz.

Großspitze sind zwar die sportlichsten unter den Spitzen, aber für jede Altersklasse geeignet, vorausgesetzt die Rahmenbedingungen passen. Länger als halbtags möchten dieser Hund durch seine enge Bindung an den Menschen nicht alleine bleiben. Großspitze sind allgemein sehr flexibel und passen sich hervorragend an ihre Umgebung an. Andere Hunde oder Haustiere stellen kein Problem dar und selbst bei einer Großfamilie wird jedes Familienmitglied heiß geliebt.

Ursprünglich als Wachhund eingesetzt, ist der Großspitz sehr aufmerksam, hat einen ausgeprägten Gehörsinn und meldet außergewöhnliche Vorkommnisse. So dürfen alle Gäste und auch der Postbote gerne an der Tür klopfen und uns besuchen. Legt der Postbote aber das Paket einfach vor die Garage, wird das zuverlässig mit einem „Wuff“ gemeldet. Ein Kläffer jedoch, ist er aufgrund seiner Wesensstärke, durch die er nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen ist, ganz und gar nicht.

Den hohen Kuschelfaktor verdankt er seinem wenig bis gar nicht riechenden, pflegeleichten Fell. Selbst Hundeallergiker haben hier keine Probleme. Der hübsche Großspitz ist wetterunempfindlich, sehr robust und gerne bei Wind und Wetter draußen, was man ihm auch ermöglichen sollte. In seinem dichten Fell bleibt viel hängen, aber es ist selbstreinigend, d.h. der Schmutz fällt einfach ab. Mein Tipp, legen sie ihren Liebling nach dem Spaziergang auf eine Decke zum Trocknen, die kann danach bequem einfach ausgeschüttelt werden. Einmal wöchentlich Bürsten reicht völlig aus, außer der Spitz haart gerade (zweimal im Jahr) ab. In dieser Phase sollten Hundehaare für den Besitzer kein Problem darstellen, sonst ist es der falsche Hund.

Erziehung

Großspitze sind intelligente, lernfreudige Hunde mit vielen eigenen Ideen. Es ist eine gut zu bewältigende Herausforderung, wenn man etwas Geduld und Humor mitbringt. Bedingungslose Unterordnung ist von diesem Hund nicht zu erwarten. So sehr er seine Zweibeiner auch liebt – der Großspitz behält seinen eigenen (Dick)Kopf. Aber genau dieser Kopf macht es möglich diesem Hund ganz nahe zu kommen.

Als Wachhund meldet der Spitz gerne – es entspricht seiner Natur. Wird er aber als Junghund gut sozialisiert, dann gibt er bei Neuigkeiten rund um sein Revier Laut, ohne ins Kläffen zu verfallen.

Erziehungsstile gibt es gefühlt wie Sand am mehr, kein Hundeerziehungsbuch ist gleich, kein Trainer lehrt gleich. Ich denke wirklich richtig oder falsch gibt es nicht, jeder wird den richtigen Weg für sich und seinen Vierbeiner finden. Meine Trainerin sagt immer: Man bekommt genau den Hund, der zu einem passt. Und dem kann ich hundertprozentig zustimmen.

Nach drei Jahren mit zwei echten Spitzmädchen, kann ich nur aus tiefstem Herzen sagen:

„Geduld, Präsenz und vor allem Wertschätzung sind besser als jedes Leckerli“. 🙂

Ich habe mit meinen Hunden gelernt loszulassen und zu vertrauen.

Lebenserwartung

Spitze werden etwa 15 Jahre alt (häufig auch schon mal ein paar Jahre mehr). Die Entscheidung für einen Wolfsspitz sollte also gut überlegt sein. Aufgrund seiner sehr engen Bindung an seine(n) Menschen, ist es für einen Spitz nicht leicht, später die Familie zu wechseln.

Weiterführende Literatur

„Deutscher Spitz – Charakter, Erziehung, Gesundheit“ von Dorothea von der Höh
„Deutsche Spitze“ – Premium Ratgeber von Annette Schmidt
„Der Pfoten-Pfad“ – Eckard Wulfmeyer